Amtsgericht überlastet: Zehntausende Klagen auf Entschädigung wegen Flugverspätungen


07 Jul 2019 [18:19h]     Bookmark and Share


Amtsgericht überlastet: Zehntausende Klagen auf Entschädigung wegen Flugverspätungen

Amtsgericht überlastet: Zehntausende Klagen auf Entschädigung wegen Flugverspätungen


Besonders Mallorca-Reisende sind betroffen. Mehr als die Hälfte aller Zivilklagen vor dem Amtsgericht Düsseldorf sind bereits Klagen gegen Airlines und Reiseveranstalter. Die Zahl steigt weiter. Oft ist die Sache sonnenklar, doch die Airlines tricksen und drücken sich.

Düsseldorf –  Mehr als 21 Flüge täglich von Palma nach Düsseldorf verkehren in der Hochsaison ab der beliebten Ferieninsel. Köln/Bonn, Dortmund, Berlin, Hamburg, Hannover und viele weitere Städte kommen dazu. Plus genauso viele fliegen in die Gegenrichtung.

Damit steigt auch die Zahl der Verspätungen und Flugausfälle. Was tun wenn es einen trifft?

Wie Zahnräder greifen die Abläufe im Luftverkehr ineinander: Check-In, boarden oft noch während die ankommenden Passagiere aussteigen, dazwischen macht die Crew den gröbsten Dreck weg, die Fenster bleiben schmierig, tanken, Getränke und Speisen nachladen, zur Startbahn rollen und wieder los gen Himmel. Ein Flugzeug kostet Geld wenn es sich nicht bewegt und kann viel verdienen wenn es sich bewegt.

Kommt aber etwas dazwischen, ein technisches Problem, eine Panne, ein Unwetter oder Vogelschlag wird es heikel. Airlines müssen zwingend ihr Fluggerät in Schuss halten. Alles muss hundertprozentig funktionieren, auch bei den Billigheimern. Pflegen sie ihre Flugzeuge technisch nicht, ist das nicht nur sträflich vor dem Gesetz, denn sie riskieren die sofortige Stilllegung des Fluggeräts und hohe Strafen. Auch Passagiere fordern bei Verspätungen schnell Entschädigung wenn die Mühle aus technischen Gründen nicht pünktlich abhebt.

 

Passagiere lassen sich nicht mehr alles gefallen

Und immer öfter fordern Passagiere tatsächlich die gesetzliche Kompensationszahlung, die ihnen die EU-Verordnung in ganz Europa bei Flugverspätungen ab drei Stunden „delay“ zugesteht, wenn die Airline und nicht eine höhere Gewalt wie Wetter oder Vogelschlag Schuld daran ist.

 

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Lesen Sie auch:          So gehen Sie vor, um ihre Ansprüche bei

Verspätungen und Flugausfällen zu sichern und durchzusetzen! 

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Flugausfälle kosten viel Geld – Airlines tricksen, um Zahlungen zu vermeiden

Verspätet sich ein ausgebuchter Flug mit knapp 200 gebuchten Passagieren wegen eines technischen Problems, kann schnell ein Betrag von 50.000 Euro oder mehr für eine Strecke wie Düsseldorf-Palma (Entfernung unter 1.500 Kilometer) allein an Kompensationszahlungen fällig werden. Und dabei fordert noch nicht einmal jeder geprellte Kunde den ihm zustehenden Betrag ein. Und die Airlines tricksen. Manche lügen, desinformieren, kümmern sich nicht oder zahlen trotz Anspruch einfach nicht, lassen es drauf ankommen bis vor den Kadi – trotz klarer Sachlage.

Immer öfter müssen sich deshalb auch die Gerichte mit den Ansprüchen von geschädigten Passagieren auseinandersetzen.

(Alle Angaben in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen gründlich zum Erstellungszeitpunkt recherchiert. Die Rechtslage kann sich jederzeit ändern oder im Einzelfall abweichen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Gewähr für die erwähnten Fakten oder Änderungen der Rechtslage)

Ab drei Stunden Verspätung gibt’s Kompensation – wenn die Airline nicht unschuldig ist

Beispiel Flugstornierung: Fällt ein Flug komplett aus oder hat mindestens drei Stunden Verspätung und liegt der Grund dafür bei der Airline – wie bei technischen Problemen – muss dem Fluggast unter anderem eine Kompensationszahlung von mindestens 250 Euro ausgezahlt werden. Dieser Betrag gilt für Strecken bis 1.500 Kilometer, also beispielsweise für die erwähnte, stark frequentierte Strecke zwischen Düsseldorf und Mallorca. Ist die Entfernung größer, kann es pro Kopf für die Fluggesellschaft noch teurer werden.

 

Amtsgericht „erstickt“ in Fluggastklagen 

Beim Amtsgericht Düsseldorf allein wurden in den letzten Jahren Tausende Klagen eingereicht:
2017  etwa  5.200, 2018 waren es bereits etwa 12.700 und nur bis zum April 2019 – schon etwa 10.000 Klagen mit Bezug zu Luftverkehr und Reisen.

Insgesamt wurden vor diesem Erstinstanz-Gericht in der Landeshauptstadt etwa 23.000 Zivilklagen eingereicht. Die etwa 12.700 Klagen zu Flug- und Reisethemen machten also bereits im letzten Jahr mehr als die Hälfte aller Zivilfälle aus.

Besonders betroffen unter den verklagten Airlines ist die Lufthansa-Tochter Eurowings. Das liegt auch daran, dass das Unternehmen seinen offiziellen Sitz in der Landeshaupstadt hat. Dadurch allein ist das Amtsgericht Düsseldorf per Gesetz für viele Klagesachen örtlich zuständig. Nicht in allen Klagen geht es immer um Ausgleichszahlungen für Verspätungen oder Flugausfälle. Auch jede andere Streitigkeit mit der Airline könnte vor Gericht am Firmensitz landen.

 

Laudamotion ganz oben auf der Verspätungs-Liste 

Was die Kompensationsforderungen für Flugausfälle oder Verspätungen gemäß der EU-Verordnung (EG) Nr. 261/2004 betrifft, fällt in Düsseldorf besonders Laudamotion, der Österreich-Ableger des umtriebigen irischen Lowcosters Ryanair auf. Laudamotion allein muss bis April 2019 in über 2.500 Klagen Rede und Antwort stehen.

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Lesen Sie hier: 

Berliner, Hamburger, Dresdner, Leipziger – sie haben die bessere Karten:

Das könnte Ihnen bei Ihrer Mallorcareise im Falle von Verspätung

oder Flugausfall an Entschädigung zustehen. 

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Dabei handelt es sich wohlgemerkt lediglich um anhängige Klagen. Es läßt sich nur spekulieren, wieviele weitere Forderungen entweder schon im Vorfeld ausgeglichen oder abgewimmelt wurden oder auch von Passagieren garnichts eingefordert wurde. Sei es mangels Wissen um die Ansprüche oder auch aus Bequemlichkeit. Passagiere verschenken hier Millionen.

Wer nicht weiß, ob und was ihm gegebenenfalls als geschädigtem Passagier zusteht, oder wer zu bequem ist, sich selbst mit der Airline zu streiten, kann sich in Europa an einen der zahlreichen Rechtsdienstleister wenden, die in den letzten Jahren speziell für geschädigte Flugpassagiere aus dem Boden geschossen sind und quasi einen neuen Industriezweig haben entstehen lassen.

Die bekanntesten Flugrechtsportale sind
Flightright.de                         Geldfürflug.de                  Euflight.de                              Euclaim.de
Flugrecht.de                            Fairplane.de                     Airhelp.com

(Die Redaktion spricht an dieser Stelle keine Empfehlungen für bestimmte Portale aus und erhält auch keine Vergütung für die Nennung. Die Nennung ist willkürlich und erhebt keinen Anspruch auf  Vollständigkeit.)

Diese Anbieter prüfen jeden einzelnen Fall und wenn die Erfolgsaussichten da sind, übernehmen sie ihn gegen eine Gebühr. Diese Gebühren oder Anteile aus dem Streitwert können erheblich variieren. In jedem Fall erhält also der Passagier lediglich nur einen kleinen Teil der Gesamtforderung. Oft aber sofort und unabhängig vom tatsächlichen Ausgang des Verfahrens. Immerhin etwas.

Alternativ kann man natürlich auch einen Anwalt beauftragen. Das hat den Vorteil, dass wenn man die Forderung gewinnt die Verfahrens- und Anwaltskosten auch die Verliererseite zahlen muss. Man steht also deutlich besser da. Dafür hat man das Risiko auf den Prozesskosten sitzen zu bleiben wenn man verliert.

 

Flugrechtportale nehmen sehr unterschieldich hohe Gebühren: vorher prüfen!

Bei den oben genannten Dienstleistern sollte man  dennoch genau hinschauen. Die „Provisionen“ oder Anteile, auf die man aus seinem Anspruch verzichten muss sind oftmals durchaus happig wenn man bedenkt, dass die Portale quasi nur Fälle mit absoluter Erfolgsaussicht annehmen. Ein Anwalt könnte da die bessere Wahl sein, bei dem am Ende die gesamte Forderung plus Anwaltskosten an den Kläger zurückfließen. Besonders wenn man bereits sämtliche Beweise gründlich gesichert hat.

Der Sommer 2019 hat gerade erst richtig begonnen. Die Verspätungen und Flugausfälle sind zahlreich und die Klagen auch. Und es sieht nach noch mehr aus. Branchenkenner prognostizieren auch in diesem Jahr wieder einen enormen Anstieg der Probleme im Luftverkehr mit Verspätungen und Ausfällen. Da auch immer mehr geschädigte Fluggäste sich ihrer Rechte bewußt werden, dürfte auch die Zahl der Klagen weiter steigen.

 





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