Auswandern: Zurück nach Deutschland – immer mit Versicherungsschutz


01 Jun 2022 [12:58h]     Bookmark and Share


Auswandern: Zurück nach Deutschland – immer mit Versicherungsschutz

Auswandern: Zurück nach Deutschland – immer mit Versicherungsschutz


Große Euphorie herrscht bei Vielen für das Auswandern aus Deutschland, wo das Wetter gefühlt viel schlechter ist, einem so vieles „stinkt“ oder vermeintlich nicht funktioniert, wo die Freiheit nicht so zu sein scheint wie man es sich wünscht. Doch bei vielen Auswanderern kommt schnell die Ernüchterung. Ist man erstmal weg von dem, was einem in Deutschland  missfallen hat, merkt man schnell, dass auch in Spanien wie überall auch nur mit Wasser gekocht wird. Und es ist auch nicht alles Gold was unter der spanischen Sonne glänzt. Überall lauern neue Überraschungen.

 

Palma – Jedenfalls wandern in der Gesamtbilanz mehr Deutsche aus Spanien zurück nach Deutschland als es Auswanderer nach Spanien gibt. Die Gründe sind vielfältig, nicht immer individuell. Was in Deutschland selbstverständlich ist, muss es nicht zwangsläufig auch im Ausland geben.

Hat man sich aus seiner persönlichen Situation heraus entschieden zurück nach Deutschland „auszuwandern“, gibt es einige Sachen, die man unbedingt beachten sollte.

Krankenversicherung in Deutschland: ein Pflicht, der man kaum ausweichen kann.

An dieser Stelle möchten wir uns mit dem Thema Krankenversicherung beschäftigen. Ein wichtiges Thema, denn wer zurückkehrt ist älter als zuvor und damit statistisch gesehen eher gesundheitlich anfällig. Krankheit kann jeden und immer und plötzlich treffen.

Das wichtigste dazu: In Deutschland herrsch Krankenversicherungspflicht. Und zugleich bedeutet dies: Vorsicht! Denn man muss selbst aktiv werden um sich wieder zu versichern. Ein Unterlassen der Anmeldung kann in der Folge sehr teuer werden.

Wer vor der Auswanderung gesetzlich oder privat versichert war muss sich bei genau der Kasse zurückmelden, bei der er zuletzt in Deutschland versichert war. Das ist Gesetz. Diese Kasse fordert ein europäisches Formular, dass von der spanischen Kasse – zum Beispiel der Seguridad Social – ausgestellt wird. Man sollte es also schon vor der Abreise aus Spanien bei seiner spanischen Kasse abholen.

Die neuen Beiträge in Deutschland sind abhängig davon, was man beruflich in Deutschland machen wird. Wer angestellt arbeitet wird wie üblich über seinen Arbeitgeber die Beiträge abführen. Wer in Deutschland erstmal arbeitslos ist, erhält einen speziellen Tarif. Die Kassen informieren darüber. Billig wird es nie.

Man sollte nicht denken, dass man erstmal ein paar Monate in Deutschland leben kann ohne direkt Beiträge zahlen zu müssen. Denn sobald man sich meldet werden die Beiträge fällig. Durch das EU-Formular, das man beim Auswandern aus Spanien erhalten hat und der deutschen Kasse vorweisen muss, werden die Beiträge ab dem Tag der Rückkehr berechnet. Das gilt auch dann, wenn man sich zunächst nicht bei seiner Kasse meldet sondern erst nach ein paar Monaten oder gar Jahren. Anders ausgedrückt: Die Kosten laufen auf und je länger man wartet, umso mehr Monatsbeträge fallen an. Hinzu kommen auch noch Verspätungszuschläge wenn man sich nicht sofort gemeldet hat. Nachzahlungen werden bis zu vier Jahren rückwirkend gefordert.

Und wer arm zurückkehrt? Ein Leben ohne Krankenversicherung? Für die meisten Menschen in Deutschland unvorstellbar – für 61.000 Bundesbürger  jedoch harte Realität. Das zeigen zumindest die aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2020 [1]. Doch wie kann es sein, dass in Deutschland so viele Menschen ohne Versicherungsschutz leben? Und was können sie tun, um ihre Situation zu ändern? Hier ein paar Tipps, um aus dem Teufelskreis des nicht versichertseins auszubrechen.

Ohne Versicherungsschutz: Menschen aus dem Ausland und Selbstständige am stärksten betroffen

Die Zahl der Menschen ohne Krankenversicherung in Deutschland scheint auf dem ersten Blick rückläufig zu sein. Während 2011 etwa 128.000 Personen keine Versicherungsschutz hatten, zählte das Statistische Bundesamt 2015 nur noch 79.000 Versicherungslose. Im Jahr 2020 waren es noch 61.000 Menschen – jedoch bleiben nicht-registrierte Einwanderer, Rückwanderer und Obdachlose in der Statistik unberücksichtigt. Manche Schätzungen legen daher nahe, dass hunderttausende Menschen in Deutschland ohne Krankenversicherung leben [2].

Der Grund, weshalb insbesondere Personen aus dem Ausland (rund 0,5 Prozent) keinen Versicherungsschutz vorweisen, ist oftmals die Unwissenheit darüber, dass es in Deutschland eine Krankenversicherungspflicht gibt. Am schlechtesten schneiden in der Statistik jedoch die Selbstständigen ab – ein Drittel der Unversicherten hierzulande ist freiberuflich tätig. Gerade in der Selbstständigkeit ist man auf die eigene Gesundheit angewiesen – diese Abhängigkeit gilt es zu schützen.

Unversichert im Teufelskreis: Nicht gezahlte Beiträge summieren sich

Neben Unwissenheit liegt die Ursache bei Unversicherten aber vor allem in den Kosten, die monatlich für den Versicherungsschutz anfallen. Wegen zu hoher Beiträge ganz auf den Schutz zu verzichten, kann langfristig ganz schön teuer werden: Was viele nicht wissen: Für jeden Monat, in dem man nicht versichert ist, wird trotzdem ein Beitrag fällig. Versucht man also nach Jahren in die Krankenversicherung zurückzukehren, wartet ein Haufen an Beitragsschulden auf einen.

Auch ein prozentualer Säumniszuschlag wird in solchen Fällen fällig. Die Hürde, zurück ins Gesundheitssystem zu kommen, ist oft zu hoch. Denn während es 2013 für Nicht-Versicherte noch die Möglichkeit gab, durch das Beitragsschuldengesetz angehäufte Schulden erlassen zu bekommen, besteht diese Option seit 2014 nicht mehr.

Trotz möglicher Beitragsschulden sollten alle Unversicherten eine Krankenversicherung abschließen. Sich nur auf die Hoffnung zu verlassen, dass schon nichts passieren wird, ist gefährlich. Denn das Risiko, aufgrund einer ernsthaften Krankheit oder eines Unfalls in finanzielle Schwierigkeiten zu kommen, ist viel zu groß.

Keine „Amnestie“ für Nichtzahler

Im Jahr 2016 sind gesetzliche Krankenkassen Unversicherten zumindest einen Schritt entgegengekommen. Statt des vollen Versicherungsbeitrags verlangen sie nur noch etwa zehn Prozent. Auch die Säumniszuschläge wurden von fünf auf lediglich ein Prozent der offenen Beiträge reduziert. Letztendlich sollte der Schutz der eigenen Gesundheit immer an erster Stelle stehen.





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