Fliegen wird wieder billiger: viele Verbindungen zwischen Spanien und Deutschland


20 Mai 2019 [11:39h]     Bookmark and Share


Fliegen wird wieder billiger: viele Verbindungen zwischen Spanien und Deutschland

Rush-hour in der Hochsaison am Flughafen Palma


Im Winterhalbjahr 2018/2019 wird es für Billigflüge erneut eine neue Rekordzahl geben. Die sogenannten Low Cost-Airlines bieten ab Deutschland mehr Flugverbindungen als je zuvor an. Spanien liegt bei den ausländischen Zielen ab Deutschland knapp vor Großbritannien an der Spitze. 

Köln – Erstmals gibt es insgesamt 5.325 Starts von Billigfliegern pro Woche was einen Zuwachs von zehn Prozent zum Vorjahr bdeutet. Die Verbraucherpreise fallen nach moderatem Anstieg im Vorjahr nun wieder. Parallel verzeichnet der europaweite Markt mit günstigen Flugtickets erneut ein deutliches Plus von sieben Prozent. Diese Ergebnisse stehen im ersten diesjährigen „Low Cost Monitor 1/2019“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

„Wir haben im vergangenen Winterhalbjahr eine neue Rekordsaison der Low Cost Carrier ab Deutschland erlebt“, sagt Studienleiter Peter Berster vom DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr in Köln. „699 Ziele sind nun ab Deutschland per Low Cost-Flieger erreichbar, gegenüber 642 Strecken im Vorjahr.“

Ryanair bietet mittlerweile fast 250 Ziele ab Deutschland an, gefolgt von Eurowings mit 235 Zielen. Es folgen Easyjet mit 107 Strecken und Wizz mit 83 Strecken. Ryanair, Easyjet und Wizz konnten im vergangenen Winter ihr Streckennetz deutlich ausbauen, wobei insbesondere Easyjet mit 21 neuen Strecken von der Übernahme weiterer ehemaliger Air Berlin-Verbindungen profitiert. „Mit dem Ausscheiden von Air Berlin aus dem Markt entstand zunächst eine Lücke, die nun fast vollständig wieder geschlossen werden konnte“, so Berster weiter. Nach Marktanteil angebotener Flüge dominiert weiter Eurowings mit 51,5 Prozent der preisgünstigen Flugangebote. Eurowings hatte bereits im Winter 2017/2018 zahlreiche Air Berlin-Verbindungen neben Easyjet übernommen. Hinter Eurowings verbucht Ryanair 17,9 Prozent und Easyjet 16,5 Prozent der angebotenen Flüge im vergangenen Winter.

Preise fallen trotz steigenden Kostendrucks

Trotz eines steigenden Ölpreises und anziehender Personalkosten fallen die durchschnittlichen Bruttopreise der Low Cost Carrier für einen einfachen Flug zurück auf einen Bereich von 50 bis 106 Euro und sinken damit nach einer Preisspitze von 53 bis 117 Euro im vergangenen Jahr fast wieder auf das Niveau 44 bis 105 Euro von vor zwei Jahren. „Der preisdämpfende Effekt der Übernahme ehemaliger Air Berlin-Strecken durch Easyjet neben Eurowings hat sich verstärkt“, so Berster weiter. „Neben dem steigenden Wettbewerb greift speziell bei Ryanair der preismindernde Effekt der neuen Handgepäcksregelung, wonach der günstigste Flugpreis nur noch eine kleine Handtasche inkludiert und das große Handgepäckstück zusätzlich bezahlt werden muss.“

Die angegebene Preisspanne fasst die durchschnittlichen Brutto-Flugpreise für eine repräsentative Auswahl an Flugstrecken der in Deutschland bedeutendsten Low Cost-Airlines Eurowings, Ryanair, Easyjet und Wizz zusammen.

Günstigster Anbieter im Frühjahr 2019 ist Wizz mit einem Durchschnittspreis von rund 50 Euro pro Ticket. Es folgen Easyjet mit 56 Euro, Ryanair mit 59 Euro sowie Eurowings mit 106 Euro. Die Durchschnittspreise werden im Low Cost Monitor auf Grundlage verschiedener Vorausbuchungszeiträume von einem Tag bis zu drei Monaten ermittelt.

Deutsche Großflughäfen gewinnen an Bedeutung

Während in vergangenen Zeiten besonders an kleineren Flughäfen wie Weeze und Hahn das Wachstum der Günstigflieger stattgefunden hat, ist in Deutschland mittlerweile ein Trend in Richtung Großflughäfen zu erkennen. Aktuell betrifft dies besonders die größeren Flughäfen Düsseldorf und Berlin-Tegel, die mittlerweile einen Low Cost-Anteil von 42 Prozent beziehungsweise 48 Prozent verzeichnen, wobei Düsseldorf mit rund 1000 Starts pro Woche das größte Low Cost-Angebot in Deutschland aufweist. Hier spielt besonders die Übernahme ehemaliger Air Berlin Strecken durch Easyjet eine große Rolle aber auch ein zusätzlicher Angebotsausbau von Eurowings. In Gesamteuropa haben die Flughäfen Barcelona, Dublin und London Gatwick das größte Angebot im Low Cost Verkehr.

Ryanair und Easyjet halten Spitzenposition in Europa

Auch europaweit setzen die Fluggesellschaften mit preiswerten Angeboten ihre Expansion weiter fort. „Das Angebot ist hier um rund sieben Prozent gegenüber dem Winterflugplan des Vorjahres gestiegen“, sagt Peter Berster. „Dabei bleibt Großbritannien mit über 9.000 Starts pro Woche mit Abstand das Land mit den meisten Flügen in diesem Sektor, gefolgt von Spanien und Deutschland.“

Europaweit ist Ryanair weiter der größte Low Cost Carrier. Mit 12.500 Starts bietet die irische Airline mehr als dreimal so viele Flüge an wie Eurowings. Zweitgrößte Fluggesellschaft ist Easyjet in Europa, die insgesamt zwar ein Drittel weniger Flüge anbietet als Ryanair aber immer noch doppelt so viele wie Eurowings. Ryanair und Easyjet bieten zusammen fast 50 Prozent aller Low Cost Flüge in Europa an, wobei aktuell 27 Prozent auf den Marktführer Ryanair entfallen.

Low Cost und traditioneller Linienflugbetrieb

Die Fluggesellschaften gestalten ihr Low Cost Angebot oft sehr unterschiedlich. Dadurch lassen sich nur wenige eindeutige Abgrenzungskriterien für das Marktsegment Low Cost definieren: beispielsweise ein niedriger Preis und seine generelle Verfügbarkeit oder ein Direktvertrieb über das Internet.

Zunehmend wird die Tendenz sich vermischender Geschäftsmodelle bei den Airlines sichtbar. Während Ryanair verstärkt auch an Großflughäfen tätig wird und durch Verkauf von Zusatzpaketen versucht, Premiumkunden anzusprechen, greifen Charter Carrier sowie etablierte Fluggesellschaften über Tochtergesellschaften oder eigene Angebote zunehmend in den Markt der preisgünstigen Flugangebote ein.

In Deutschland hat Lufthansa ihre innerdeutschen und europäischen Flüge außer von und zu den Drehkreuzflughäfen Frankfurt und München an die Tochtergesellschaft Eurowings abgegeben. Die genannten Ergebnisse der Studie basieren auf Daten einer Referenzwoche im Januar 2019.





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